10 Fragen an die Vorstandskandidaten des Deutschen Kulturrats

1.    Was ist die größte kulturpolitische Herausforderung der nächsten Jahre?
Der Neoliberalismus im Sinne einer Ökonomisierung von Kunst und Kultur. Das berührt die Freiheit der Kunst, die Vielfalt von Kultur als Angebot und die Qualität von Kunst und Kultur abseits von Kommerz, aber auch die Teilhabemöglichkeiten an Kunst und Kultur.

2.    Was wollen Sie als Vorstand des Deutschen Kulturrates bewegen?
Ich will Bewusstsein schaffen für Kunst und Kultur als Lebensnerv, als gesellschaftliches Zentrum, folglich als Pflichtaufgabe, Grundversorgung, Infrastrukturaufgabe. Das heißt konkret: Institutionen und Veranstalter von Kultur als gesellschaftliche Zentren unterstützen, kreative Rahmenbedingungen für Kunst und Kultur schaffen, Kunstausübende als Berufsgruppe sozial absichern (wie man es mit jeder anderen Berufsgruppe auch tun würde).

3.    Welche Schwerpunkte wollen Sie in Ihrer Amtszeit setzen?
Mindeststandards für Künstler, Kultur und Kunst für den ländlichen Raum, Förderung neuer Kunst und multimedialer neuer Ideen, Digitalisierung von Künstlernachlässen, Integration und Migration durch Kunst und Kultur, Haltung zeigen zur aktuellen Politik … und natürlich 2010 auch Beethoven ehren: „Wohltun wo man kann, Freiheit über alles lieben, Wahrheit nie, sogar am Throne nicht verleugnen“ (Stammbucheintragung 1792).

4.    Die aktuelle Debatte rund um Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten ist notwendig, weil
niemandem dieses Kulturgut gehört, es aber am authentischen Ort seine volle Wirkung entfaltet. Kunst begreife ich als öffentliches Eigentum, sie muss für alle Menschen erlebbar sein. (Das denke ich allerdings auch vom Wald, von Bergen und Seen!)

5.    Welche ist Ihre Lieblingsausgabe von Politik & Kultur?
Na immer die aktuelle, also jetzt Heimat - Kunst.

6.    Wem würden Sie gern das Einmaleins der Kulturpolitik erklären?
Allen Ministern, die nicht Kulturminister sind.

7.    Welche kulturpolitische Diskussion würden Sie gern anstoßen?
Lebenslange Kultur, Kultur als Lebenswert, Kultur als Pflichtaufgabe, Festlegung von prozentualen Mindestkulturausgaben eines kommunalen, Landes- oder Bundeshaushalts, Streit-Kultur (weil wir nicht mehr streiten können ohne Sieg oder Niederlage).

8.    Auf welche kulturpolitische Debatte können Sie hingegen verzichten?
Über alle Arten von Leitkulturdebatten, Abhängigkeiten künstlerischen Denkens, Kulturetats unter 4% eines Gesamthaushaltes.

9.    Wieso haben Sie Ihr Arbeitsleben der Kultur verschrieben?
Weil ich als Musikwissenschaftlerin den schönsten Beruf der Welt habe.
Manchmal muss ich dafür entfernte Weichen stellen, aber dann geht es wieder direkt und schneller zur Musik, zum Theater, zur Genrevielfalt und zu den verrücktesten unerhörten Kunstverbindungen.

10.    Fernab vom Kulturbetrieb genieße ich in meiner Freizeit …
Akustisches und staune, was ich alles noch nicht kenne, und lese und denke mir Theaterstücke aus, diskutiere mit Freunden oder gucke auf’s Wasser bei Rheinsberg, das einfach nie still steht…